warum Straßenzulassung ? Sinn und Unsinn

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    • warum Straßenzulassung ? Sinn und Unsinn

      Hallo Leute,
      bin neu hier und weiß nicht, ob das Thema schon mal eröffnet wurde.
      Ich werde als Hersteller immer wieder gefragt, warum unsere Wagen keine Straßenzulassung haben. Ganz einfach, weil wir darin keinen Sinn sehen. Wir achten nicht auf das Gewicht und können so viel wertvoller bauen. Dadurch mehr qm und bessere Dämmung.

      Wir bauen Standwagen, zum Rumfahren gibt es Wohnwagen. Sollte das Tiny House doch alle Jahre mal bewegt werden, gibt es Sonderfahrtgenehmigungen für wenig Geld.
      Vorteil: keine laufenden Kosten, kein Qualitätsverlust durch Gewicht, kein Fensterverkleiden vor der Fahrt oder Rausräumen der Küchengeräte wegen dem Gewicht. Kein Kauf eines starken Zugfahrzeuges. Seid Ihr mal mit einem Tiny House am Auto auf der Autobahn gewesen? Ganz schön heftig bei leichtem Wind.

      Da man sich in Deutschland eh nicht hinstellen und wohnen darf wo man möchte, kann man eh nicht ständig den Platz wechseln.
      Der Trend kommt aus den USA, wo ich größere Anhänger ziehen darf und wo das Wildcampen viel lockerer ist als hier.
      Was ist eure Meinung? Warum ist die Straßenzulassung sinnvoll?
      Freue mich auf eure Gedanken.
      Liebe Grüße
      Wir bauen die etwas anderen Häuser. Ein rundrum rundes Konzept!
      rundwagen.de
      Firma Weg Weiser aus Freiburg
      Kevin Bortoli
    • Das ist mal eine interessante Frage! Grundsätzlich wäre eine gewisse Mobilität für mich schon nicht schlecht, aber eine Straßenzulassung mit 80km/h ist aus meiner Sicht schlicht unnötig. Sowas wäre höchstens dann interessant, wenn es ausreichend und flächendeckend Stellplätze gäbe, die einen schnellen und unkomplizierten Wechsel erlauben würden. Das wird in Deutschland wohl auf lange Sicht noch nicht der Falls sein. Für einen Umzug hin und wieder gibt es andere Lösungen, die eben diese Gewichtsbeschränkungen nicht haben und die sich auch eher rechnen, wenn man davon ausgeht, dass das Häuschen längerfristig auf einem Platz steht. Ich überlege momentan noch, welche Lösung für mich am besten ist, aber zur Straßenzulassung tendiere ich nicht mehr.
    • Die Frage stellt sich für mich andersrum:
      Wenn keine Strassenzulassung, warum dann überhaupt Räder unter dem Tiny? Warum nicht gleich ein Mobilheim statt eines Standwagens.

      Für mich verbindet das Thow die Vorteile der Mobilität eines Wohnwagens mit dem Konfort und der Bauqualität eines „richtigen“ kleinen Hauses. Für mich ist es sowohl das eine wie auch das andere, während ein Standwagen weder das eine noch das andere ist.

      Und ganz praktisch dürften relativ viele Tinies auf Campingplätzen stehen. Da muss es oder zumindest sollte es dann schon ein Wohnwagen sein.

      Gruß Udo


      Unabhängig davon finde ich eure Rundwagen richtig schön.
    • Danke das ist nett.
      ich finde eure Gedanken spannend.
      Zu Udo: unser Rundwagen ohne Straßenzulassung ist ja auch mobil, daher die Räder. er kann auf kurze Strecken mit einem Traktor gezogen werden und auf lange Strecken dann halt mit der Spedition. Und hat eine sehr hohe Bauqualität wegen dem höheren Gewicht. Da spricht die Straßenzulassung doch eher dagegen, oder?
      Zu Kronleuchter: aber genau das geht eben nicht, mal schnell da hin und dort hin. Du musst für jeden Stellplatz einen Bauantrag stellen und der kostet und dauert. Sonst darfst du da nicht schnell wohnen. Das ist ja gerade das Problem in Deutschland, warum für uns eine STraßenzulassung völlig sinnfrei ist. Wenn ich schon einen legalen Stellplatz gefunden habe und baurechtlich dann dort stehen darf, na dann bleibe ich da auch stehen. Warum und wohin wegfahren? Um dann wieder ein Grundstück zu suchen und einen neuen Bauantrag zu stellen?
      Bitte füttert mich weiter.... Ich führe solche Gespräche am Telefon täglich und bin für alle Denkanstöße sehr dankbar. Was ist für euch ein Grund für die Straßenzulassung in Deutschland und die damit verbundenen Einschränkungen und Kosten?
      Wir bauen die etwas anderen Häuser. Ein rundrum rundes Konzept!
      rundwagen.de
      Firma Weg Weiser aus Freiburg
      Kevin Bortoli
    • Für mich wäre eine Straßenzulassung wichtig, weil ich eben nicht in Deutschland unterwegs bin und es in Spanien und Frankreich anders aussieht.
      Außerdem würden mir auch bei der Durchreise in Deutschland ein Tag "stehen im graubereich" (aber eigentlich müsste im TH ja auch das Wohnmobil Prinzip gelten, dass ich einen Tag übernachten darf zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit) ausreichen, da ich wirklich viel unterwegs bin.

      Ich denke die Gründe für bzw gegen ein TH sollte sich jede_r gut überlegen und wenn ICH auf einem festen Platz stehen will, bräuchte ich auch keine Räder und keine 3,5t Beschränkung. (Diese Räder beim TH erinnern mich teilweise an Dauercamper, die auch nach 20 Jahren auf dem selben Platz ständig sagen:"wir könnten ja jederzeit woanders hin" es aber trotzdem nie tun)

      In meinem Fall ging die Entscheidung jetzt doch zu einem großen Wohnmobil (auch wegen der schlechten Erfahrung mit einigen TH Bauern) und ich muss halt mit Plastik statt Holz leben, hab dafür aber mehr Freiheit und kann jederzeit Stellplätze nutzen.
    • Die Räder unterm Wagen sind natürlich praktisch, um "kein Gebäude" zu sein. Als ich meine AnArche in Besitz nahm, stand sie auf einem Campingplatz in Brandenburg. Die anderen Wagen dort waren als solche meist kaum zu erkennen, so umwuchert von Veranden, Terassen, Schuppen...
      Ich selber möchte die Räder unterm Bett so weit es geht als solche nutzen. Mein Führerschein lässt es zu, dass ich mit 25 km/h und einer Zugmaschine davor fahre, und ein Reisegewerbeschein soll der anderen Ebene von Vorschriften Genüge leisten. Der Wagen ist dabei zulassungsfrei. Tatsächlich habe ich mir noch keinen Kopp gemacht, wie es mit Parkplätzen in der Realität aussieht. Die muss ich mir wahrscheinlich erschleichen ^^ . Es dauert eh noch ein paar Jährchen, bis die AnArche so umgebaut ist, wie ich sie haben will, zum Renten- Eintritt in 7 Jahren ist Zeit.
      Auch verstehe ich die Diät beim Wagen- Gewicht als angenehme Herausforderung. Es geht um Bescheidenheit, kein Schloss auf Rädern.

      Ich fände es aber schön, wenn noch mehr Leute sich in diese Wildnis von Gesetzen und Vorschriften wagen würden. Nicht immer nur von "den guten Bedingungen anderswo" träumen, sondern wach und mit gebotener Beharrlichkeit die Langsamkeit einfordern.

      Tiny Houses ohne Räder nannte ich bislang immer "Gartenlaube ohne Garten".

      (und wenn das Wasser an der Küste steigt: ab ins Trockene und im Stau der Klimaflüchtlinge gelassen bleiben )
    • Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nun mal nicht. Jeder muss sich vorher überlegen, was der wirkliche Zweck des Tinyhauses sein soll.
      Mobilität ist relativ. Prinzipiell hat das auch nichts mit einem festen Fahrwerk unten dran zu tun. Auch Containerhäuser sind z.B. logistisch fix umsetzbar. Das Gleiche gilt für TH auf Wechselbrücken. Man sollte sich fragen, ob das Ziel ein fester Wohnsitz ist!
      Wenn ja, dann muss die gesetzlich geforderte Mindestwohnqualität gesichert werden. Ein Ausnahme bildet da nur das Dauercampen mit Sondergenehmigung. Selbstverständlich funktioniert Wohnen auch nur mit Baugenehmigung.
      Mein Fazit:
      Eine Straßenzulassung ist sinnvoll, wenn ein TH wie ein Campinganhänger (z.B. für den Urlaub) genutzt werden soll.
      Eine wirkliche Mobilität mit ständigem Wechsel des Wohnsitzes ist nur möglich, wenn vorab für den neuen Stellplatz eine Baugenehmigung vorliegt. Ein solches Netztwerk von Stellplätzen existiert leider noch nicht. Hier könnten sich Grundstücksmakler mal ins Zeug legen!
    • Ja, das mit dem Netz an Stellplätzen ist richtig. Das bräuchte es, um mobile TH wirklich sinnvoll zu machen. Die Stellplätze müssten komfortabler und größer sein als das, was auf einem Campingplatz üblich ist. Mit Garten und Gemeinschaftsflächen und auch mit einer netten nachbarschaftlichen Atmosphäre. Es gibt ein paar interessante Ansätze dafür in Deutschland und in Österreich entwickeln sich auch gerade Projekte. Aber auch bei diesen Projekten ist es ja gedacht, dass man vielleicht nicht dauerhaft, aber längerfristig an einem Ort bleibt. Daher würde mir ausreichen, wenn ich das Häuschen mit 25km/h mit einer Zugmaschine bewegen kann. Auch ein Transport mit einem Tieflader alle paar Jahre wäre wohl günstiger als auf Straßenzulassung zu setzen. Ich warte daher momentan noch etwas ab, wie sich die Projekte entwickeln und welche Voraussetzungen die TH haben, um dort stehen zu dürfen. Für die alltägliche Mobilität setze ich auf einen Campingbus.
    • Schaut mal, das habe ich eben in einer Zeitung gefunden:

      Ist das Haus auf einem Fahrgestell montiert, ermöglicht dies einen spontanen Ortswechsel. Es wirkt sich aber auch auf die rechtliche Einordnung aus.
      Das Gesetz unterscheidet hierzulande klar zwischen Häusern und Fahrzeugen, erklärt der Verband Privater Bauherren (VPB). Für beide gelten Auflagen. Hat ein Tiny House Räder und soll auf die Straße, gilt es als Wohnwagen und muss für den Straßenverkehr zugelassen sein. Bekommen die Besitzer die Zulassung, müssen die rollenden Häuser dann auch wie Wohnwagen angemeldet, versichert, versteuert und technisch kontrolliert werden.
      Steht das Minihaus hingegen auf Dauer auf einem Grundstück, muss es dort genehmigt werden wie jedes normale Wohnhaus. Dann greift zunächst die Landesbauordnung, die bestimmte Forderungen an den Wohnraum stellt, etwa mit Blick auf Dusche, WC oder den zweiten Rettungsweg. Dazu kommen kommunale Vorgaben wie der Bebauungsplan. Darin werden zum Beispiel Hausgrößen festgelegt.
      Die besten Chancen, ein Minihaus aufzustellen, hat man hierzulande auf einem Freizeitgrundstück, das nicht für Dauerwohnraum vorgesehen ist, erläutert der Verband. Wer sein Tiny House nur weniger als vier Monate im Jahr bewohnt, muss zum Beispiel nicht die Vorschriften der Energieeinsparverordnung einhalten. Dies alles macht einen ständigen Ortwechsel fast unmöglich, wobei hier die Straßenzulassung in Frage gestellt werden muss.
      Wir bauen die etwas anderen Häuser. Ein rundrum rundes Konzept!
      rundwagen.de
      Firma Weg Weiser aus Freiburg
      Kevin Bortoli
    • Ich habe mich vom Gedanken THoW verabschiedet, nachdem mal durchgegangen wurde, was da an Kosten und Arbeiten zur Instandhaltung noch hintendran hängt. Man muss ja bspw. den Hänger, auf dem es gebaut ist, regelmäßig (ich glaube alle zwei Jahre) zum TÜV bringen, in den Zwischenzeit muss man natürlich gucken, dass er nicht zu viele Mängel ansetzt. Und was mich ebenfalls abschreckt, ist, dass man an allen Ecken und Enden zwecks Dämmung und Gewicht sparen muss - heizt also gegen Fußkälte an und eben die, die durch Wände/Decken kommt. Und das lässt sich dann m.M.n. schon wieder nicht so richtig mit der Nachhaltigkeit vereinbaren, wenn ich dann jährlich hunderte Euro für die Heizung zahlen muss.

      Jetzt will ich natürlich auch nicht alle paar Monate umziehen (alleine wegen der Bauvorschriften und bis man überhaupt mal ein Grundstück hat), deshalb finde ich den Gedanken angenehmer, dass das Teil dann von der Spedition abgeholt und woanders wieder abgestellt wird. Außerdem hab ich was gegen diese Schlaflofts, da krieg ich klaustrophobische Zustände, weshalb ich dann um zusätzliche Länge/Breite sowieso dankbar bin.
    • Hallo Kevin,
      das Thema Baurecht haben wir hier schon ausführlich behandelt ...
      Richtig ist Folgendes:
      - das TH kann Gebäude und Fahrzeug zugleich sein
      - die Nutzung ist entscheidend
      - für Freizeit und Erholung reicht eine mindere Qualität im Campingstandard (leicht, dünne Wände usw.)
      - für (Dauer)wohnen muss die Qualität höherwertiger sein (Baurecht Wohngebäude)
      - beide TH-Qualitäten sind mit oder ohne Räder möglich
      - wenn ein Fahrgestell für die Straßennutzung unter dem TH befestigt ist, prüft regelmäßig TÜV/DEKRA dieses als Anhänger (Fahrzeug)
      - das TH kann aber auch als Ladung transportiert werden ... z.B. wenn es auf einer Wechselbrücke steht oder per Kran verladen wird
      - das TH als Ladung muss nicht regelmäßig von TÜV/DEKRA geprüft werden, der Transport erfolgt durch Speditionen (großer Vorteil)
      - das Grundstück bestimmt ebenfalls die Nutzung
      - Freizeit- und Erholungsgrundstück, Gartengrundstück, Grundstück für landwirtschaftliche Nutzung:
      kein dauerhaftes Wohnen, nur Lauben, Ferienhaus oder Wochenendhaus möglich (Baurecht Erholungsbauten)
      - Gartengrundstück in Kleingartenanlagen nach Bundeskleingartengesetz: kein Wohnen, nur Gartenlauben (Baurecht+Vereinssatzung)
      - Wohngrundstück, Grundstück für Wohnnutzung: dauerhaftes Wohnen möglich, wenn das mit 1. Wohnsitz genutzt werden soll, muss das TH Wohnhausqualität haben (Wärmeschutz, Statik usw.), Baurecht für Wohngebäude gilt wie für Einfamilienhäuser egal ob mit oder ohne Räder
      Übrigens auch deine dauerhaft (nicht nur vorübergehend) abgestellten Rundwagen, welche z.B. von Waldkindergärten genutzt werden, sind im Sinne der Landesbauordnungen Gebäude und gleichzeitig wegen dem Fahrgestell auch Fahrzeuge.