tiny houses und Landschaftsverbrauch

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    • tiny houses und Landschaftsverbrauch

      Hallo zusammen,

      im Zuge meiner Beschäftigung mit tiny houses und meiner allgemeinen Grundhaltung zum nachhaltigen Bauen beschäftige ich mich auch mit der Frage nach der Sinnhaftigkeit von tiny houses bezüglich des Landschaftsverbrauchs durch Ausweisung von Bauland. Im Studium habe ich gelernt, was eigentlich auf Anhieb klar ist, dass Geschosswohnungsbau vom ökologischen Standpunkt wesentlich sinnvoller ist als der Bau von Einfamilienhäusern. Es ist aber auch klar, dass Einfamilienhäuser für ihre Bewohner eine Qualität bieten, die der Geschosswohnungsbau nicht bieten kann. Deshalb sind sie ja auch so beliebt.

      ...und jetzt kommen tiny houses!

      Gibt es irgendwo eine seriöse Untersuchung darüber, ob der Bau von tiny houses weniger Bauland verbraucht als der Bau von Einfamilienhäusern? Ich könnte mir vorstellen, dass tiny-houses auf kleineren Flächen mit Gemeinschaftseinrichtungen (Waschmaschinen- und Trocknerräume, Fahrradgaragen, Autostellplätze, gemeinsam genutzte Heiz- und Solartechnik, evtl. Gemeinschaftsräume etc) Bauland besser ausnutzen können als Standard-Einfamilienhäuser.

      Vielleicht wäre das ein Thema für eine Semesterarbeit im Studiengang Städtebau.

      Grüße
      Gerd
    • Mal völlig unqualifiziert aus der Hüfte geschossen:

      Bei uns im Ort ist die durchschnittliche Grundstücksgröße für ein "klassisches" EFH bei 600-700m². In so einem Haus wohnen 2-4 Leute, davon idR 1-2 Steuerzahler, der Rest Kinder.
      Auf dem selben Grundstück könnte man (theoretisch) bis zu 4 Tinys aufstellen mit je 150m² Grundstück. Weiter theoretisiert dass jedes 2. Tiny von einem Pärchen bewohnt wird, kommen wir bei 4 Tinys also auf hypothetische 6 Leute, die idealerweise alle Steuerzahler sind. Kinder sind da noch nicht mit eingerechnet.

      Im ländlichen Raum, wo etliche Viertel überaltern und oft nur noch der überlebende Ehepartner allein in einer großen Hütte wohnt... da würde eine Tiny-Besiedlung Sinn machen. Ebenso in Baulücken, in denen nicht mehrgeschossig gebaut werden kann und sich niemand findet, der da ein EFH hinstellen will/kann.

      Aber das erkläre mal einem nicht so aufgeschlossenem Bürgermeister.... (hab versucht, eine Baulücke für mich zu finden...die Eigentümer waren einer Verpachtung nicht grundlegend abgeneigt...aaaaaber...
    • Ich denke auch, dass die Flexibilität der tiny houses oder Modulhäuser ein Vorteil ist. Zum Beispiel: Die Kinder sind erwachsen und ziehen aus: das bedeutet nicht, dass die Eltern weiterhin den gleichen Platz verbrauchen. Man kann ein Modul wegnehmen und/oder jemand anderem zur Verfügung stellen.

      Langfristig ist eine gute Argumentation wohl der Schlüssel dafür, dass Bebauungspläne auf tiny houses zugeschnitten werden können (passende Grundstücksgrößen etc)

      Baulücken und sehr kleine Grundstücke sind meiner Meinung nach ideal geeignet für tiny houses.

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    • Genau genommen, ist das Tiny-House der pure Luxus. Auch wenn die eine oder andere Studie versucht, das Gegenteil zu beweisen. Pro Nutzer hat man einen extrem hohen Anteil an Investitionskosten, Außenbauteilflächen, Verkehrsflächen. Der mehrgeschossige Wohnbau ist da effektiver. Als Alternative steht der private Hausbau, mit den üblichen Nachteilen wie z.B. ständig neuer Flächenversiegelung, denn momentan muss jeder Häuslebauer ein PKW-Stellplatz nachweisen, ab ca. 120 m2 Wohnfläche oft auch noch einen 2. Stellplatz. In vielen Kommunen herrscht Anschlusszwang an diverse Medien (Abwasser, Trinkwasser, Straßen, ggf. Strom). Grundstücke werden zu Filetstücken zerhackt und zu Maximalprofit verkauft ... das brauch man nicht weiter denken. Das System ist auf Expansion angelegt - langweilig und überholt! Aber wie willst du vermeiden, mit Tiny-Haus-Siedlungen, nicht das selbe zu erreichen? 3.000 m2 Grundstücksfläche für 6-8 Tinyhäusern ist auch schon eine ganz schöne Hasunummer ... auch wenn die Wege nur aus Kies sind!


      Gruß sigi
    • Hallo Sigi,

      Der Geschosswohnungsbau ist in seiner Effizienz eigentlich unschlagbar. Selbst konventionell gebaut, viel nachhaltiger als jede noch so ökologische Baufritz-Villa.

      Natürlich ist ein tiny-house Luxus, auch wenn man vielleicht nur 20m2 Wohnfläche pro Person zur Verfügung hat. Der Luxus besteht meiner Ansicht nach im Außenraum, also Garten/Grundstück und in der Tatsache, dass man Eigentümer der Gebäudehülle ist. Psychologisch ist das interessant. Es stellt für Menschen einen nicht zu unterschätzenden Wert dar, in ihrem Leben die Entscheidungen selbst treffen zu können und über wichtige Dinge selbst zu verfügen. Das Wohnen gehört zweifellos zu den wichtigsten Dingen im Leben.

      Das ist auch die Schwäche des Geschosswohnungsbaus. Jeder würde in einem Reihenhaus eher das Gefühl haben im "eigenen Haus" zu wohnen als in einer Eigentumswohnung. Dabei ist der Unterschied zwischen Reihenhaus und Eigentumswohnung alleine die Richtung der Aufteilung. Ein dreigeschossiges Reihenhaus in der Stadt und ein dreigeschossiger Geschosswohnungsbau sind von der Effizienz Wohnfläche/Baulandverbrauch prinzipiell identisch. Ein dreigeschossiges Reihenhaus ist aber besser zu verkaufen, vor allem an Eigennutzer.

      Meine Frage geht auch nicht in die Richtung, tiny-house-Siedlungen schönzurechnen. Das Bild oben in deinem Beitrag sieht zwar nett aus, ist aber ein bisschen geschummelt. 3 Stellplätze für 7 tiny-houses? In Diez, Rheinland-Pfalz, Rhein-Lahn-Kreis, 11.000 Einwohner muss ich für ein tiny-house 2 Stellplätze nachweisen. Selbst wenn jetzt viele sagen, dass tiny-house-Bewohner eher Fahrrad fahren, glaube ich da nicht wirklich dran. Zumindest die tiny-houses on wheels brauchen sehr große Zugfahrzeuge, die irgendwo stehen müssen.

      Es braucht gute Ideen und kluge Planungen für Gemeinschaftsstellplätze oder -bauplätze.

      Weder der Geschosswohnungsbau noch tiny-houses sind die alleinige Lösung, um Wohnbedürfnisse zu befriedigen. Meine Frage geht in die Richtung: Welche sinnvolle Rolle können tiny-houses einnehmen? Wenn neue Baugebiete für tiny-houses in Zukunft erschlossen werden sollen, kommt man da sicher nicht drum herum.

      PS: Wer schon mal mit einem Kiesweg zu tun hatte, weiß welchen Aufwand man treiben muss, um den Kies von Bewuchs frei zu halten und hat diesbezüglich auch schon die Sinnfrage gestellt. Mein Favorit wären eher Rasengittersteine -aber das nur am Rande ;)

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    • Hallo Gerd,
      schön, dass du das Thema eröffnet hast. Du hast natürlich vollkommen Recht.
      Ich glaube, da gibt es noch nicht all zu viele Untersuchungen. Viele TH-Dörfer enstehen ja gerade erst. Aber die Frage kann man ja diskutieren. Meine Visualisierung hat selbstverständlich keinen Anspruch auf "Richtigkeit". Im Gegenteil, ich habe es bewußt ein bisschen bunt gehalten und (fast) alle Klischees bedient. Es fehlt eigentlich nur noch das Lagerfeuer. Ich hatte es gerade für eine Bewerbungspräsentation für unsere Tiny-House-Gruppe in Dresden erstellt und ich finde, es passt sehr gut zu diesem Thema. Wir bewerben uns momentan bei verschiedenen Kommunen auf der Suche nach Bauland für unser gemeinsames Wohnprojekt. Aber wie soll man es besser machen als in den Einfamilienhausgebieten? An den Bauordnungen vorbei planen und die Siedlungen mit jeder Menge Ausnahmen durchboxen? Kompromisse sind seitens der Nutzer bestimmt möglich, aber seitens des Gesetzgebers? Ohne eigenen PKW, dafür nur mit Fahrrad - das geht bestimmt zu machen. Aber bei Brandschutz, Wärmeschutz und Statik wird es keine Kompromisse geben. Das sollte jedem klar sein. Vielleicht berichten hier Vereine/Genossenschaften von ihren Erfahrungen aus den Gründerjahren. Wie groß sind eure Grundstücke? Wieviel Tiny-Houses stehen dort? Wieviel Menschen wohnen gemeinsam auf dem Grundstück? Welche Eigentumsformen habt ihr? Habt ihr Gemeinschaftsbereiche? Wie seid ihr an die Kommune angebunden (Medien, Wege, Strassen ...)?

      Viele Grüße von sigi
    • Eine gute Idee wäre vielleicht an eine Hochschule mit dem Studiengang Städtebau heranzutreten und einen Studentenwettbewerb oder ähnliches zu initiieren. Da machen sich dann eine Menge talentierter und motivierter Leute Gedanken und es können sehr gute Ideen dabei herauskommen.

      Grüße Gerd

      Edit: An den Landesbauordnungen vorbeiplanen und mit Hilfe von Ausnahmen und Freistellungen zu arbeiten halte ich nicht für sinnvoll. Viel sinnvoller wäre es, eine Kommune von einem tiny-house-Projekt zu überzeugen, die dann einen Bebauungsplan aufstellt, der den tiny-houses gerecht wird.

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    • Energetisch und von den Bauressourcen her sind Tiny Houses deutlich schlechter pro m² Wohnfläche, aber wenn ein Paar statt 150 m² dann nur 30 bewohnt ist es pro Person eben deutlich effizienter.

      Ich finde, das es auch eine große Rolle für die Umwelt spielt, ob es dann klassisch sehr viel versiegelte Flächen gibt oder so ein Tiny ein blühender Garten umgibt.
    • So alt ist das Thema ja noch nicht, es nicht auszugraben...

      Was ist eigentlich Landschaftsverbrauch?
      Auch, wenn ich nicht so wohnen möchte, gibt es hier ein Haus, das ist nach einigen Jahrzehnten (ganz bewußt) so zugewachsen, das sieht man im Sommer gar nicht mehr und im Winter kaum.
      Wie oben schon geschrieben - wenn man für 30m² Wohnfläche 30m² Parkplatz befestigen muß, wo ist dann der Grund für den hohen Flächenverbrauch?

      Aber zum Thema: ich sehe die große Chance von Tinyhouses in der Nachverdichtung. Wer teilt schon gerne sein 1000m² Grundstück etwa hälftig, damit da noch ein "richtiges Haus" drauf Platz hat? Auf 150-200m² (plus nötiger Erschließung) zu verzichten oder anders gesagt, nicht mehr pflegen zu müssen - man wird ja nicht jünger, könnte eher gehen.
      Wird meist innerhalb der Familie bleiben und dann stellt sich beim Landschaftsverbrauch die Frage ob die eine oder zwei Personen nicht auch im "richtigen Haus" Platz hätten. Man also pro Person doch wieder mehr Fläche versiegelt hat.

      Bei den Konzepten, vor allem in Städten, auf Flachdächern noch ein paar Tinyhouses unterzubringen, sieht das schon günstiger aus. Da könnte man bei ähnlicher statischer Belastung wohl in Holzbauweise mehr Wohnraum schaffen. Wo man dort die vorgeschriebenen Stellplätze hernimmt, habe ich nicht verstanden. Bei einem Projekt soll ja sogar das Oberdeck eines Parkhauses verwendet werden, also sogar Parkplätze reduziert werden.
    • zu

      room to move wrote:

      der Frage nach der Sinnhaftigkeit von tiny houses bezüglich des Landschaftsverbrauchs durch Ausweisung von Bauland.
      kommt wohl drauf an, WIE man das macht!

      ich könnte mir z.B. gut vorstellen, bei einem schon vorhandenen Haus in Ortsrandlage noch im Sinne einer Nachverdichtung ein "tiny house" daneben zu stellen ... dann wird nur solange die (transportable?) Hütte steht die reine Stellfläche reversibel "verbraucht" ...

      PS:
      darum bin ich auf die Idee/das Forum gekommen - habe gerade ein günstig angebotenes Haus gesehen, wo ich eventuell den bisherigen Bewohner als Mieter übernehmen könnte - die Waschküche und noch nen angrenzenden Raum im Tiefparterre (mit ebenerdigem Ausgang zum Garten) für Bad/WC/Küche nutzen könnte - dann aber für mich ein bis zwei zusätzliche "Wohnräume" bräuchte = neben/hinter die Garage in den Garten stellen müsste